Klänge als Orientierung im Alltag

Klänge als Orientierung im Alltag

Wir lieben die Musik Musik ist unglaublich vielfältig. Sie bewegt uns, bringt uns zum Lachen, zum Weinen und zum Tanzen. Sie kann uns ein Gemeinschaftsgefühl vermitteln, uns über Sprachbarrieren hinweg miteinander verbinden und hilft uns unsere Geschichten zu erzählen. Wen wundert es da, dass die Kleinsten von uns von Anfang an von Musik profitieren können?

Musik im Mutterleib
Das Gehör ist eines der ersten Sinnesorgane, das sich bei uns vollständig entwickelt. Damit kann ein ungeborenes Baby schon im zweiten Trimester der Schwangerschaft Geräusche wahrnehmen und im Laufe der Zeit nicht nur wahrnehmen, sondern auch auf bekannte Geräusche, Stimmen und Melodien reagieren. Der erste Rhythmus, der uns vertraut ist, unser Ur-Rhythmus, ist der des Herzschlags unserer Mutter. Man könnte also sagen Musik begleitet uns von Anfang an. Wiederkehrende Melodien können Babys bereits abspeichern und wieder erkennen. Diese werden begleitet von der Geräuschkulisse aus Herzschlag und Blutkreislauf der Mutter und der Geborgenheit des Mutterleibs. Musik, die bereits im Mutterleib kennengelernt werden durfte, kann bei Babys dafür sorgen, dass sie schneller aufhören zu schreien und aufmerksam zuhören, wenn ihnen diese Musik vorgespielt wird. Wer seinem Baby den Übergang in die Welt außerhalb Mamas Bauch mit Musik erleichtern möchte hat die Chance eine Konstante zu schaffen, die dem Baby schon vor der Geburt bekannt ist und danach noch immer Sicherheit vermittelt.

Mama, Papa, gebt mir Musik!
Säuglinge suchen ganz von selbst nach musikalischen Interaktionen mit Gegenständen und Bezugspersonen. Wer Säuglinge schonmal dabei beobachtet hat, wie sie mit ihrer Umgebung interagieren, wird auch beobachtet haben, dass die Entdeckung von Geräuschen und das Reproduzieren dieser unglaublich spannend zu sein scheint. „Wie klingt dieser Gegenstand, wenn ich ihn gegen diese Oberfläche schlage? Oh, diese Rassel macht ein besonders schönes Geräusch!“ Wenn die Eltern singen oder Musik hören, wird vielleicht schonmal mit Lauten eingestiegen oder mitgetanzt. Und besonders geliebte Lieder und Melodien haben auch die Kleinsten schon. Forscher*innen vermuten, dass es einen evolutionären Grund für das frühkindliche Interesse an Musik gibt. Neben dem Aufbauen einer Bindung zwischen Baby und Eltern soll dies auch das Regulieren eigener Emotionen sein. Früh kann von Babys singen auch schon von sprechen unterschieden werden. Ihr Gehirn nutzt dafür unter anderem Rhythmus, Lautstärke und Melodie. Diese Sensibilität für Melodien hilft dabei eine eigene Musikkultur zu entwickeln.

Was bringt Musik meinem Kind sonst noch?
Die positiven Beeinflussung der Bindung von Eltern und Kind und dass Musik das erste Werkzeug zur Regulierung der eigenen Emotionen sein kann, sind bei weitem nicht die einzigen positiven Auswirkungen die Musik auf Kinder hat. Der Entwicklung eines Kindes ist Musik sehr zuträglich. Die Fähigkeit mit Hilfe von Musik Emotionen selbst zu regulieren entwickelt sich noch weiter: Musik kann Kindern nämlich auch dabei helfen auf eine sichere und kreative Art und Weise ihre Gefühle auszudrücken. Durch musizieren kann die Selbstwirksamkeit von Kindern gestützt werden, denn zu lernen einen Rhythmus zu halten, die eigene Lautstärke zu regulieren oder auch ein Lied einzustudieren, ist ein Erfolgserlebnis für Kinder. Beim Hören und Singen von Liedern wird die Aktivität beider Gehirnhälften angeregt, der Wortschatz erweitert und das Sprachverständnis verbessert, wodurch die Sprachentwicklung unterstützt wird. Außerdem wird die Feinmotorik und Koordination des Kindes durch singen, tanzen und das Spielen von Instrumenten positiv beeinflusst. Auch das Gedächtnis, die Konzentration und die Fähigkeit Probleme zu lösen kann durch Musik verbessert werden und sogar die sozialen Fähigkeiten des Kindes können durch gemeinsames Musizieren gefördert werden. Durch das gemeinsame Musizieren werden bekanntermaßen Zusammenarbeit und Kommunikation geschult, außerdem werden Empathie und soziales Verhalten gefördert.

Musik in der Kita
Wenn Musik für Kinder eine Konstante darstellt, dann ist es klar, dass sie auch den Übergang in fremde Räume und Situationen erleichtern kann. Wie schön ist es also wenn diese Geborgenheit das eigenen Kind auch außerhalb von zuhause tagtäglich begleitet. Eine durch Musik gestützte Eingewöhnung kann dabei helfen den Übergang zur Kita zu erleichtern. Und wenn jeder Tag in der Kita mit Musik startet hilft Musik auch in Abwesenheit der Eltern eine bekannte Begleitung für den Alltag darzustellen.

Mit Musik in den Tag starten
Musik kann bei einem fröhlichen Start in den Tag helfen. Wer morgens mit motivierender Musik in den Tag startet kann den Verlauf des ganzen Tages positiv beeinflussen, hat mehr Spaß beim Aufstehen und lässt sich von potenziell frustrierenden Situationen nicht so schnell den Tag verderben. Das gilt natürlich auch für Kinder. Der tägliche Morgenkreis hilft dabei fröhlich in den Tag zu starten. Das gemeinsame Musizieren regt die Kinder schon direkt nach der Ankunft in der Kita an aktiv zu werden und das gemeinsame Ritual stärkt die Gemeinschaft, ist strukturgebend und bietet den Kindern damit Sicherheit.

Für alles gibt es ein Lied
Neben dem Ritual des Morgenkreises können auch wiederkehrende Aktivitäten durch bestimmte Lieder zum Ritual werden. Das kennen viele Kinder bereits von zuhause in der Form eines Einschlafliedes. Eine Aufgabe regelmäßig begleitet durch ein Lied auszuführen oder eine Tageszeit durch bestimmte Musik einzuleiten, kann Kindern dabei helfen sich im Alltag zu orientieren und macht unliebsame Aufgaben zu spaßigen Ereignissen. Ein Aufräumlied zum Beispiel kann dabei helfen aufräumen zu einer Aktivität zu machen die Spaß macht und die mit Musik verbunden wird.

Gemeinsam musizieren
Beim gemeinsamen Musizieren sollte es nie darum gehen wie „gut“ oder „schlecht“ ein Kind musizieren kann, sondern immer um den Spaß an der Musik. Auch wenn ein Kind mal keine Lust hat mitzumachen ist das nicht schlimm. Kein Kind sollte gezwungen werden Musik zu machen, wenn es das nicht möchte und allein das Zuhören und innere Mitgehen von Musik kann Spaß machen und sich positiv auswirken. Außerdem brauchen Kinder Raum um sich Musik zu eigen machen zu können, das heißt sowohl, dass von ihnen nicht erwartet wird bloß nachzuahmen was vorgemacht wird, als auch, dass sie bestimmen dürfen wann und wie sie musizieren wollen. Auch bietet gemeinsames musizieren einen niedrigschwelligen Zugang, sodass auch Kinder die noch nicht sprechen oder noch nicht deutsch sprechen können, sich an der gemeinsamen Aktivität beteiligen können, ohne dass Sprache im Zentrum der Kommunikation steht. Auch wenn es wichtig ist einen Raum zu haben in dem mit Begleitung musiziert werden kann, ist es genauso wichtig den Raum zu haben frei mit Musik zu experimentieren. Deshalb sind frei zugängliche Instrumente eine besonders schöne und wichtige Ergänzung zu frei zugänglichen Spielsachen.

Aufführungen in der Kita
Eine besondere Art gemeinsam zu musizieren ist die der Aufführung. Diese bietet nicht nur ein schönes Highlight für die Eltern, die einen Einblick darin bekommen, was ihre Kinder fleißig zusammen eingeübt haben, sondern insbesondere für die Kinder die stolz präsentieren dürfen woran sie lange gearbeitet arbeiten. Das ist sowohl ein Gemeinschaft förderndes Erlebnis, denn über einen längeren Zeitraum etwas zusammen einzustudieren erfordert natürlich ganz schön viel Zusammenarbeit, als auch ein persönliches Erfolgserlebnis, dass das Selbstbewusstsein stärken und den Kindern zeigen kann, was sie alles schaffen können. Besonders schön ist es für die Kinder natürlich ihren Moment auf der Bühne zu haben – und danach in die stolzen Gesichter der Familienmitglieder zu schauen, die gekommen sind um ihnen zuzusehen. Aber der Weg dorthin, die gemeinsame Entwicklung, die Proben und die Vorfreude, machen genauso viel Spaß.

Klänge als Orientierung im Alltag – ein letzter Blick
Ob im Mutterleib, beim gemeinsamen Singen zuhause oder beim gemeinsamen musizieren in der Kita – Musik gehört nicht an den Rand des Alltags, sondern in die Mitte. Wer Musik als elementaren Bestandteil des Alltags versteht fördert die Entwicklung, schafft Orientierung und stärkt das eigene Kind. In ihren Klängen finden Kinder das was sie am meisten brauchen: Sicherheit und Geborgenheit